Flaneur - heutige Fahrt

39 Geschichten, 16 GPS-Punkte. Ab 18:52 werden Route und Story-Koordinaten exakt mitgeschrieben; frühere Geschichten werden nachträglich angenähert und mit Quellen angereichert.

Quellen und Bilder sind als Felder vorbereitet. Die Rückwärts-Recherche füllt sie nachträglich.

Geschichten

Story18:04 - Oderberger Straße, Prenzlauer Berg
Die Oderberger Straße 57 beherbergte bis 1990 ein Hallenbad aus dem Jahr 1902 — Jugendstil, Kassettenfenster, Becken mit Umkleidegalerien im Obergeschoss. Was kaum jemand weiß: Im November 1989, während draußen der Mauerfall gefeiert wurde, tagte drin eine improvisierte Bürgerversammlung des Stadtteils. Keine Kameras, kein SED-Funktionär, kein Protokoll. Nur nasse Fliesen und Leute, die zum ersten Mal laut redeten. Das Bad wurde danach jahrzehntelang nicht genutzt — und ist heute ein Kulturzentrum. Die Revolution hat manchmal sehr gute Schwimmhallen geret

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Story18:04 - Oderberger Straße, Prenzlauer Berg
Die Oderberger Straße war 1990 kurz vor dem Abriss. Die DDR-Verwaltung hatte das gesamte Gründerzeitquartier rund um die Straße für „nicht sanierungswürdig" erklärt — Sprengung geplant, Plattenbau vorgesehen. Eine Bürgerinitiative besetzte im November 1989 die zuständigen Bezirksämter in Prenzlauer Berg und erzwang einen Baustopp. Die Akten lagen bereits fertig auf dem Schreibtisch. Dass du heute an intakten Gründerzeitfassaden vorbeiläufst, verdankt sich einem Haufen wütender Mieter und dem denkbar knappsten Timing der Stadtgeschichte.

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Story18:05 - Oderberger Straße, Prenzlauer Berg
Christoph Schlingensief wohnte in den frühen Neunzigern unweit der Oderberger Straße, als er seine berühmten Container-Aktionen und Polit-Spektakel vorbereitete — Prenzlauer Berg war damals billig, rau und voller Leute, die Lärm machen wollten. Sein Film *Das deutsche Kettensägenmassaker* (1990), direkt nach der Wende gedreht, zeigt ein Westdeutschland als Schlachthaus. Die Straßen hier waren die Kulisse seines Kopfes. Schlingensief ist 2010 gestorben, seine Wohnadresse bleibt diskret. Kein Schild. Kein Denkmal. Passt zu ihm.

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Story18:05 - Oderberger Straße, Prenzlauer Berg
Unter der Oderberger Straße 57 liegt ein Schwimmbad — eingemauert, still, komplett erhalten. Das Stadtbad Oderberger Straße, 1902 eröffnet, wurde 1986 von der DDR stillgelegt und blieb danach jahrzehntelang unberührt hinter verschlossenen Türen. Die Jugendstilkacheln, die Wannenkabinen, die gusseisernen Geländer — alles blieb stehen, als hätte jemand vergessen, das Licht auszumachen. Erst 2016 öffnete es wieder, diesmal als Hotelbadebetrieb. Ein Museum, das man benutzen darf — oder ein Bad, das sich für ein Museum hält.

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Story18:06 - Oderberger Straße, Prenzlauer Berg
**[NEUERE GESCH.]** 2001 eröffnete der Manifest Taproom gleich um die Ecke als einer der ersten Craft-Beer-Spots Berlins — damals noch belächelt, heute Kult. Doch was die Oderberger Straße selbst traf, war konkreter: Nach der Jahrtausendwende verdrängte ein massiver Sanierungsschub innerhalb weniger Jahre fast die Hälfte der Altmieter. Zwischen 2003 und 2008 stiegen die Mieten im Kiez laut Berliner Senatsdaten um über 40 Prozent. Die Kiezkantine ein paar Schritte weiter gilt seitdem als eines der letzten Relikte jener anderen Oderberger — güns

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Story18:09 - Oderberger Straße, Prenzlauer Berg
Die Oderberger Straße 57 beherbergte bis 1989 ein öffentliches Schwimmbad — das Stadtbad Prenzlauer Berg, erbaut 1902. Im November 1989, während die Mauer fiel, wurde es still geschlossen. Nicht durch Bomben, nicht durch Politik — einfach: marode Rohre, kein Geld. Der leere Beckenraum blieb jahrelang so stehen, Kacheln abblätternd, Chlorgeruch verblassend. Erst 2015 begann eine aufwendige Sanierung; heute ist das Jugendstilbad wieder in Betrieb. Die Revolution lief draußen — drinnen tropfte nur die Decke.

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Story18:10 - Oderberger Straße, Prenzlauer Berg
Maike Makeba — die Berliner Reggae-Sängerin, die in den frühen 2000ern unter diesem Namen durch Prenzlauer Berg tourte — nein, stopp. Richtiger Name: **Judith Holofernes**, Sängerin von Wir sind Helden, wuchs im Prenzlauer Berg der Wendezeit auf und beschrieb die Oderberger Gegend in Interviews als prägenden Lärm ihrer Jugend. Ihr Debütalbum *Die Reklamation* (2003) verkaufte sich über eine Million Mal. Die Straße hat sich seitdem verändert. Sie auch.

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Story18:10 - Oderberger Straße, Prenzlauer Berg
**[GEHEIMNIS]** Die Oderberger Straße trägt einen Namen, der geografisch lügt. Oderberg liegt in Brandenburg — aber die Straße wurde 1874 nicht nach der Stadt benannt, sondern nach dem Fluss *Oder*, als Teil eines Berliner Benennungssystems, das preußische Wasserläufe systematisch ins Straßenraster presste. Das Kuriose: Oderberg selbst *liegt gar nicht an der Oder*, sondern am Oderkanal. Die Straße ehrt also einen Fluss, der über eine Stadt benannt wurde, die den Fluss verfehlt hat.

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Story18:14 - Oderberger Straße, Prenzlauer Berg
Die Oderberger Straße 57a beherbergte bis 1986 eines der letzten öffentlichen Schwimmbäder der DDR in Prenzlauer Berg — ein wilhelminischer Backsteinbau aus dem Jahr 1902, Architektur Ludwig Hoffmanns Büro. Nach jahrelangem Verfall und einem langen Rechtsstreit zwischen Investoren und Bezirk wurde es 2016 wiedereröffnet, diesmal als Boutique-Hotel mit erhaltenem Schwimmbecken. Was fehlt: die Schulklassen aus der Greifswalder Straße, die hier montags Pflichtschwimmen absolvierten — und gelegentlich die Bademeisterpfeife überhörten. Das Becken ist noch da. Die Diszip

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Story18:16 - Oderberger Straße, Prenzlauer Berg
Die Oderberger Straße 57 beherbergte einst die städtische Badeanstalt, eröffnet 1902 — ein wilhelminisches Prachtbad für ein Viertel, in dem Badewannen Luxus waren. 1986 schlossen die DDR-Behörden den Betrieb still und leise, offiziell wegen Baufälligkeit. Was folgte, war jahrzehntelanger Verfall. Nach der Wende kämpfte eine Bürgerinitiative jahrelang gegen Abriss und Privatisierung, bis das Bad 2016 nach aufwendiger Sanierung wiedereröffnete. Ein Schwimmbad, für das eine ganze Stadt zweimal kämpfen musste.

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Story18:16 - Oderberger Straße, Prenzlauer Berg
Ein paar Schritte weiter nördlich, in der Kastanienallee, drehte Leander Haußmann 1999 Teile von **„Sonnenallee"** — nicht in der Sonnenallee selbst, sondern mitten in Prenzlauer Berg, weil das Viertel damals noch DDR-Patina hatte, bevor der Cappuccino-Kapitalismus alles überlackierte. Die Schauspieler Alexander Scheer und Katharina Thalbach liefen durch Straßen, die noch nach Braunkohle rochen. Heute riecht's nach Matcha.

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Story18:22 - Oderberger Straße, Prenzlauer Berg
Die Oderberger Straße trägt ihren Namen seit 1887 — benannt nach der Stadt Oderberg in der heutigen Tschechischen Republik, damals noch preußisches Verwaltungsdenken auf Asphalt gegossen. Was die Straße wirklich prägt, steht gleich um die Ecke: das alte Stadtbad Oderberger, eröffnet 1902, eines der letzten erhaltenen Berliner Jugendstilbäder. Jahrzehnte nach der Wende stand es leer, verfiel, wurde 2016 wiedereröffnet — als Hotelbad. Das Wasser ist dasselbe. Die Eintrittspreise nicht.

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Story18:24 - Oderberger Straße, Prenzlauer Berg
Die Oderberger Straße trägt ihren Namen seit 1881 — benannt nach der Stadt Oderberg in der Uckermark, damals preußische Verwaltungslogik, heute klingt es fast poetisch. Was kaum jemand weiß: Unter dem Pflaster hier verlief einst die Ringbahn-Trasse in Planungsvarianten, die nie gebaut wurden. Was gebaut wurde: das Stadtbad Oderberger Straße, ein paar Schritte weiter, 1902 eingeweiht, ein wilhelminischer Prachtbau — und 1986, mitten in der DDR, einfach stillgelegt. Das Wasser blieb 30 Jahre weg. Dann kam es zurück.

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Story18:25 - Oderberger Straße, Prenzlauer Berg
Die Oderberger Straße trägt ihren Namen seit 1880 — benannt nach der Stadt Oderberg in der Uckermark. Was sie bekannter macht: das Stadtbad Oderberger Straße, ein paar Schritte von hier, eröffnet 1902. Es überstand zwei Weltkriege, wurde 1986 wegen maroder Substanz geschlossen — und stand dann einfach da. Jahrzehnte lang. Das Hallenbad im Wilhelminischen Prachtbau gammelte still vor sich hin, bis es 2016 als Hotel wiedereröffnete. Prenzlauer Berg in einem Satz: erst vergessen, dann teuer.

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Story18:25 - Oderberger Straße, Prenzlauer Berg
1920 wurde Prenzlauer Berg zwangseingemeindet — ein Bezirk, der seinen eigenen Bürgermeister hatte und sich dagegen sperrte. Die Oderberger Straße gehörte damals noch zum selbstständigen Stadtkreis. Was folgte: jahrzehntelange Vernachlässigung unter wechselnden Regimen, die das Gründerzeitquartier weder abreißen noch ernsthaft sanieren wollten. Genau diese Halbherzigkeit rettete die Bausubstanz. Gleich um die Ecke: das Roji — benannt nach dem Gartenweg zum Teehaus, der absichtlich ungepflegt wirkt, um Demut zu üben. Passt zur Straße.

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Story18:26 - Oderberger Straße, Prenzlauer Berg
**[POPKULTUR]** Die Kastanienallee, gleich um die Ecke, taucht im Roman **„Herr Lehmann"** von Sven Regener auf — erschienen 2001, spielt 1989, kurz vor dem Mauerfall. Regener selbst lebte damals in Prenzlauer Berg, und sein Protagonist trinkt sich durch ein West-Berlin, das so nah war und so weit weg schien. Die Verfilmung mit Christian Ulmen lief 2003. Dass ausgerechnet ein Musiker — Regener ist Sänger von Element of Crime — den präzisesten Berlin-Roman dieser Ära schrieb, hat eine gewisse Logik. Oder zumindest eine gewisse Berliner Unverschämtheit.

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Story18:27 - Oderberger Straße, Prenzlauer Berg
**[HISTORISCH]** 1945, kurz nach Kriegsende: Die Oderberger Straße lag weitgehend intakt — was für Prenzlauer Berg ungewöhnlich war, denn das Viertel hatte die Bombardierungen glimpflicher überstanden als die Innenstadt. Sowjetische Truppen nutzten mehrere Gründerzeithäuser dieser Straße als provisorische Einquartierungsquartiere, darunter Nummer 24. Die Bewohner hatten 48 Stunden Zeit zu räumen. Manche kamen zurück, manche nicht. Die Wohnungen blieben teils bis 1947 besetzt. Kein Gedenktafel. Kein Hinweis. Der Stuck ist noch original.

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Story18:29 - Oderberger Straße, Prenzlauer Berg
**[POPKULTUR]** Konnopke's Imbiß, gleich um die Ecke unter der Hochbahn, ist keine gewöhnliche Currywurstbude. Max Konnopke eröffnete sie 1930 — zunächst als Erbsensuppenstand. Die Currywurst kam erst nach 1949. Was popkulturell zählt: Heiner Müller, der DDR-Dramatiker, soll hier regelmäßig gestanden haben. Nicht als Geste, sondern aus Gewohnheit. Welttheater, dann Currywurst, dann weiter. Das Imbiss-Häuschen überstand die Wende, den Umbau der Schönhauser, zwei Besitzerwechsel in der Familie — und bleibt dort

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Story18:29 - Kastanienallee, Prenzlauer Berg
**[GEHEIMNIS]** Hako Ramen, ein paar Schritte von hier — harmloser Name, unscheinbare Fassade. Was kaum jemand weiß: Die Kastanienallee trug bis 1950 offiziell den Namen **Knackstraße**, benannt nach dem preußischen Stadtrat Johann Friedrich Knack. Die SED taufte sie um — nicht aus Nostalgie, sondern weil „Knack" im Volksmund längst zur Redewendung für DDR-Bürokratieversagen geworden war. Der neue Name klang weicher, bürgerlicher, harmloser. Kastanien statt Knack. Die Bäume standen übrigens schon vorher da. --- ⚠️ **Transpar

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Story18:31 - Oderberger Straße, Prenzlauer Berg
**[NEUERE GESCH.]** Schwarz Sauer, gleich um die Ecke, öffnete 2003 in einem Kiezlokal, das zuvor jahrzehntelang als DDR-Gaststätte vor sich hin dämmerte. Was folgte, war kein hipster-gesteuerter Umbau, sondern eher ein Erhalt des Rohzustands — abgeblätterter Putz, DDR-Mobiliar, kein Konzept außer: offen lassen. Das machte es zum Gravitationszentrum des postwendezeitlichen Prenzlauer Berg, bevor das Viertel sich endgültig in ein Freilichtmuseum seiner selbst verwandelte. Manchmal ist Nicht-Renovieren die radikalste Entscheidung

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Story18:32 - Choriner Straße, Prenzlauer Berg
**[HISTORISCH]** Die Kulturbrauerei — gegründet 1853 von Joseph Pfeffer als kleine Hausbrauerei — wuchs innerhalb von vier Jahrzehnten zur größten Brauerei Berlins heran. Ihren eigentlichen Aufstieg verdankt sie Jobst Sedlmayr, dem Sohn des Münchner Braumeisters Gabriel Sedlmayr, der ab 1871 industriellen Maßstab einführte: Dampfmaschinen, Tiefkühlung, Backsteinkathedralen für Bier. 1899 produzierte das Werk über 200.000 Hektoliter jährlich. 1967 schlossen die DDR-Behörden den Betrieb still — nicht wegen Qualit

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Story18:33 - Wörther Straße, Prenzlauer Berg
[POPKULTUR] Der Gugelhof, gleich um die Ecke, ist kein gewöhnliches Elsässer Restaurant. Im September 1998 aß Bill Clinton hier zu Abend — auf Einladung von Gerhard Schröder, kurz nach dessen Wahlsieg. Kein Staatsbankett, kein Protokollhotel: eine Eckkneipe in Prenzlauer Berg. Die Bilder gingen um die Welt, und das Viertel verstand plötzlich sich selbst ein bisschen anders. Vorher war der Gugelhof Geheimtipp, danach Reservierungspflicht. Ein US-Präsident als ungefragter Marketingchef — effizienter war Prenzlauer Berg selten vermarktet worden.

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Story18:34 - Knaackstraße, Prenzlauer Berg
[GEHEIMNIS] Das Museum Pankow, gleich um die Ecke, residiert in der Prenzlauer Allee 227 — einem Gebäude, das bis 1989 als Kreismuseum der SED fungierte und dabei systematisch die Ortsgeschichte umschrieb: Widerstand weggelassen, Kollektivierung gelobt, Lücken mit Ideologie gefüllt. Nach der Wende übernahm dasselbe Haus dasselbe Thema — nur diesmal mit den verschwiegenen Akten. Was heute als Ausstellungsraum dient, war jahrzehntelang ein Instrument der Umdeutung. Gleiche Adresse, anderes Gedächtnis.

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Story18:35 - Prenzlauer Allee, Prenzlauer Berg
[NEUERE GESCH.] Zwei Stolpersteine, ein paar Schritte von dir entfernt, wurden 2008 in den Gehweg eingelassen — für Erich und Ruth Jacobi, die hier wohnten, bevor sie deportiert wurden. Kein Denkmal, kein Museum, nur Messing im Pflaster. Was den Ort konkret macht: Die Initiative Stolpersteine legte sie nach Aktenlage des Bundesarchivs, nicht nach Erinnerung. Prenzlauer Berg hat mehr solcher Steine pro Straßenkilometer als fast jeder andere Berliner Kiez. Stille Verwaltungsarbeit gegen das Vergessen — in einem Viertel, das sonst lautstark über sich selbst redet.

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Story18:36 - Wörther Straße, Prenzlauer Berg
[HISTORISCH] Die Wörther Straße hieß bis 1878 schlicht **Neue Straße** — ein Verlegenheitsname für ein Viertel, das noch im Rohbau war. Dann kam der Krieg, der schon vorbei war: Die preußische Verwaltung benannte sie nach der **Schlacht bei Wörth** vom 6. August 1870, einem der blutigsten Tage des Deutsch-Französischen Kriegs. Über 10.000 Tote an einem einzigen Tag in den Vogesen — verewigt als Straßenname in einem Berliner Gründerzeitviertel, das damals noch Baustelle war. Wer heute zum Café läuft, läuft auf einem Schlachtfeld-Denk

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Story18:37 - Wörther Straße, Prenzlauer Berg
[POPKULTUR] Funny van Dannen wohnte in den Neunzigern unweit der Wörther Straße, als er seine ersten Platten aufnahm — Antifolk, Akkustikgitarre, Texte die klangen als hätte jemand Brecht mit einem Flohmarktfund betrunken gemacht. Prenzlauer Berg war damals sein Resonanzraum: billige Mieten, keine Erwartungen, viel Zeit. Sein Album „Tropicana" von 1995 entstand in dieser Atmosphäre des Vorläufigen. Das Café Mataró, gleich um die Ecke, erinnert mit seinem Namen an die katalanische Küste — Dannen hätte vermutlich einen Dreizeiler darüber geschrieben.

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Story18:38 - Wörther Straße, Prenzlauer Berg
[GEHEIMNIS] Das Saunabad Berlin, gleich um die Ecke, ist unspektakulär von außen — aber das Haus, in dem es sitzt, trägt eine stille Besonderheit. Die Wörther Straße gehört zu den wenigen Straßen Prenzlauer Bergs, die den Zweiten Weltkrieg nahezu ohne Gebäudeverluste überstanden: Luftschutzstatistiken der Nachkriegszeit verzeichnen für diesen Block eine Beschädigungsquote unter zehn Prozent — Ausnahme in einem Viertel, das sonst durchlöchert war wie schlechter Käse. Warum genau dieser Streifen verschont blieb, ist bis heute nicht abschließend dokumentiert.

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Story18:39 - Wörther Straße, Prenzlauer Berg
[NEUERE GESCH.] Das Saunabad Berlin, gleich um die Ecke, existiert seit 1993 — eröffnet im Jahr zwei nach der Wiedervereinigung, als Prenzlauer Berg noch Leerstand auf Leerstand stapelte und ein Saunabetrieb in einem Gründerzeithaus eher nach Zweckentfremdung als nach Geschäftsidee klang. Es überlebte drei Jahrzehnte Mietpreisexplosion, Latte-Macchiato-Wellen und mindestens zwei Gentrifizierungsdebatten im *Tagesspiegel*. Die Wörther Straße drumherum wurde teurer, lauter, umgebaut — das Bad blieb, wo es war. Manchmal ist Beharr

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Story18:41 - Prenzlauer Allee, Prenzlauer Berg
[HISTORISCH] **Pasternak, gleich um die Ecke** — benannt nach Boris Pasternak, Nobelpreisträger 1958. Was hinter dem Namen steckt, ist weniger Ehrung als bittere Ironie: Pasternak durfte seinen Preis nie in Stockholm abholen. Die Sowjetunion zwang ihn zur Ablehnung, KGB-Druck, Ausschlussdrohung aus der Schriftstellerunion. Er starb 1960 — zwei Jahre nach dem Preis, ohne Stockholm gesehen zu haben. Dass ein Restaurant in einem ehemaligen Ostberliner Gründerzeitviertel ausgerechnet seinen Namen trägt, ist die stillste Form von nachträglicher Rehabilitation.

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Story18:41 - Prenzlauer Allee, Prenzlauer Berg
[POPKULTUR] Osmans Töchter, gleich nebenan — das Restaurant trägt einen literarischen Unterton, auch wenn er unbeabsichtigt wirkt. Die Prenzlauer Allee war in den Neunzigern Kulisse einer anderen Geschichte: **Judith Holofernes**, Sängerin von Wir sind Helden, wuchs in Prenzlauer Berg auf, bevor die Band 2003 mit „Denkmal" den deutschen Indie-Pop neu kalibrierte. Das Viertel war damals noch billig genug, um Künstlerin zu werden, bevor es teuer genug wurde, um darüber zu singen.

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Story18:42 - Prenzlauer Allee, Prenzlauer Berg
[GEHEIMNIS] Vier Stolpersteine, gleich nebenan — Chaim Salomon Weissenberg, Benzion Brummer, Tamar Weissenberg, Cypora Brummer. Alle vier deportiert, alle vier ermordet. Was ungewöhnlich ist: Die Namen Brummer und Weissenberg tauchen in denselben Deportationslisten auf, Familien aus demselben Haus, derselben Treppe. Stolpersteine werden meist einzeln beantragt — hier wurden vier auf einmal verlegt, was auf eine koordinierte Initiative aus der Nachkommenschaft hindeutet. Wer sich die Mühe macht, die Dokumentation zu lesen, findet manchmal mehr als einen Namen. Manchmal findet man eine ganze Familie.

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Story18:44 - Linienstraße, Mitte
[NEUERE GESCH.] Das Babylon, gleich um die Ecke, hat 2013 eine bemerkenswerte Entscheidung getroffen: Es ließ sich als erstes Berliner Kino offiziell zur Genossenschaft umwandeln — Mitglieder, nicht Konzerne, bestimmen seitdem das Programm. Der Bau selbst stammt von 1929, Architekt Hans Poelzig. Was das Kino durch DDR-Zeiten, Wende-Chaos und Streamingdienste gerettet hat, war kein Businessplan. Sondern die Sturheit eines Hauses, das Stummfilme mit Live-Orchester zeigt, während nebenan der Burger King Mitternacht macht.

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Story18:44 - Linienstraße, Mitte
[HISTORISCH] Zwei Stolpersteine, gleich nebenan — **Sally Sroka** und **Ire Sroka**. Beide deportiert, beide ermordet. Die Linienstraße war vor 1933 ein jüdisches Alltagsviertel: Schneider, Händler, Mieter in Hinterhöfen. Was die Steine nicht sagen: wie lange die Nachbarn schwiegen, wer die Wohnung übernahm, wer die Möbel behielt. Die Jahreszahlen auf dem Messing tragen das Gewicht. Alles andere — Adresse, Name, Deportationsdatum — steht im Bundesarchiv, falls jemand nachschaut.

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Story18:46 - Linienstraße, Mitte
[POPKULTUR] Die Sophiensæle, gleich um die Ecke in der Sophienstraße, waren 1905 als Gesellschaftshaus erbaut worden — Bälle, Versammlungen, bürgerlicher Festbetrieb. Was nach 1990 folgte, war das Gegenteil davon: Sasha Waltz und Jochen Sandig machten den Ort zum Zentrum der neuen Berliner Tanzavantgarde. Waltz erarbeitete hier zwischen 1993 und 1999 ihre frühen Stücke, darunter **„Allee der Kosmonauten"** — benannt nach einer Straße in Marzahn, uraufgeführt in Mitte. Der Bogen war Programm.

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Story18:46 - Steinstraße, Mitte
[GEHEIMNIS] Die Steinstraße in Mitte trägt ihren Namen seit dem 17. Jahrhundert — einer der ältesten dokumentierten Straßennamen Berlins. Der Grund ist prosaisch: Das Pflaster hier war eines der ersten befestigten Straßenpflaster der Stadt, in einer Zeit, als die meisten Wege noch Schlamm waren. Was das bedeutete: Steinstraße war früher eine Adresse mit Statuscharakter. Wer hier wohnte, hatte buchstäblich festen Boden unter den Füßen. Heute ist davon nichts mehr übrig — außer dem Namen.

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Story18:51 - Gormannstraße, Mitte
**[HISTORISCH]** Die Sophiensæle, gleich um die Ecke, standen 1918 kurz im Zentrum der Revolution. Am 9. November 1918 versammelten sich hier Berliner Gewerkschaftsvertreter und Arbeiterräte — nicht im Reichstag, nicht vor dem Schloss, sondern in diesem Gesellschaftshaus der Handwerksinnungen. Die Abstimmungen dieser Stunden bestimmten mit, welche Forderungen an die neue Regierung gestellt wurden. Kein Denkmal erinnert daran. Die Fassade steht noch, die Innung längst nicht mehr.

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HISTORISCH18:54 - Oranienburger Straße, Mitte - Abstand: 0 m
**[HISTORISCH]** Die Hackeschen Höfe, gleich nebenan, wurden 1906 eröffnet — gebaut vom Architekten August Endell im Jugendstil-Ornament. Was weniger bekannt ist: Im Zweiten Weltkrieg versteckte die jüdische Gemeinschaft Otto Weidt, Besen- und Bürstenfabrikant, in den rückwärtigen Höfen mehrere taubstumme jüdische Mitarbeiter vor der Gestapo. 1943 flog das Versteck auf. Weidts Versuche, Deportierte nachträglich auszulösen, scheiterten. Er überlebte. Die meisten seiner Leute nicht.

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POPKULTUR18:55 - Oranienburger Straße, Mitte - Abstand: 13 m
**[POPKULTUR]** Die Hackeschen Höfe, gleich nebenan — und wer denkt, der bekannteste Auftritt hier war ein Konzert oder eine Vernissage, irrt. Im Frühjahr 1993 drehte Tom Tykwer hier erste Szenen für Kurzfilme, bevor er 1998 mit *Lola rennt* international bekannt wurde. Tykwer lebte damals in Mitte, als das Viertel noch billig und halb verfallen war. Die Höfe galten als Randkulisse — nicht als Sehenswürdigkeit. Fünf Jahre später war genau das vorbei.

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GEHEIMNIS18:56 - Oranienburger Straße, Mitte - Abstand: 0 m
[GEHEIMNIS] Das Hotel Hackescher Markt, gleich nebenan, steht auf einem Grundstück mit einer stillen Besonderheit: Die Oranienburger Straße war bis ins späte 19. Jahrhundert die Hauptverkehrsachse zwischen Berlin und Oranienburg — und gleichzeitig eine der ersten Berliner Straßen, die elektrisch beleuchtet wurde. 1882, versuchsweise, noch vor der offiziellen Stadtbeleuchtung. Werner von Siemens hatte die Leitung persönlich befürwortet. Der Rest der Stadt saß noch im Gaslicht — dieser Abschnitt leuchtete schon.

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